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Jagender Hund - na und? - Infos rund um das Jagdverhalten deines Hundes

Hunde sind nach wie vor Beutegreifer! Das führt dazu, dass jeder Hund Jagdverhalten hat – die Frage ist nur, ob es sich für den Besitzer unangenehm äußert. Erfahren Sie in diesem Text mehr dazu, was das Jagdverhalten des Hundes überhaupt ist und wie Sie damit umgehen können!

Was ist eigentlich Jagdverhalten?

Wenn man von Jagdverhalten beim Hund spricht, dann ist eine Verhaltenskette gemeint, die beispielhaft aus den folgenden Elementen besteht:

• Ausschau halten (Appetenzverhalten)
• Anschleichen
• Fixieren
• Hetzen
Packen
• Töten
• Fressen

Nicht jeder Hund in Privathand, hat alle Elemente (zum Glück). Für den Nicht-Jäger wird das Jagdverhalten des Hundes vor allem dann problematisch, wenn er 

das Ausschauhalten zeigt, also quasi eine Weg-Phobie hat = den Weg verlässt, um nach Wildspuren und potentieller Beute zu suchen, indem er auf gut Glück Wildspuren ausarbeitet oder das Gelände durchstöbert

das Hetzen zeigt, indem er Wild verfolgt

Das Packen und Töten ist meist nur dann ein größeres Problem, wenn es in Kombination mit dem Hetzen vorkommt. So weiß manch ein Molosser-Besitzer z.B. gar nicht, dass sein Hund Jagdverhalten genetisch mitbringt, weil diese Hunde häufig aufgrund ihrer körperlichen Konstitution gar nicht zum Packen und Töten von freilebendem und gesunden Wild kommen.

Das Fressen ist übrigens in der Jagdhunde-Welt ein „No Go“ – es ist schließlich nicht erwünscht, dass, wenn ich meinen Jagdhund losschicke, damit er den geschossenen Fasan holt, er diesen dann selbst frisst oder mir nur den halben Fasan bringt … Das bedeutet auch, dass Trainingsansätze wie z.B. gemeinsam mit dem Hund den Futterbeutel zu erjagen, nur sehr bedingt mit der Realität zu tun haben.

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Der Begriff Jagdtrieb

Der Begriff Jagdtrieb hält sich zwar irgendwie immer noch, wird aber korrekterweise nicht mehr verwendet, da die ganzen Triebtheorien hinterfragt und teilweise auch widerlegt wurden. Das Jagdverhalten entwickelt sich bis zum Erwachsenwerden des Hundes, also bei mittelgroßen bis großen Hunden meist bis zum 3. Lebensjahr.

Erlernt oder geerbt?

Die große Gretchen-Frage zum Thema Jagdverhalten beim Hund ist: wieviel davon ist erlernt und wieviel davon wird von der Genetik beeinflusst. Diese Frage kann niemand beantworten, denn es ist nicht möglich herauszufinden, wie ein Hund sich entwickelt hätte ohne eine bestimmte Erfahrung wie z.B. eine Hasenbegegnung mit Hatz. Auch der Vergleich von Wurfgeschwistern beispielsweise wäre fahrlässig, da nun mal jeder Hund ein Individuum ist!

Es bräuchte aber all diese Hunderassen nicht, wenn man jedem Hund alles beibringen könnte. Auch die Zuchtprüfungen der Jagdhundrassen wären gänzlich überflüssig, wenn der Hund ein leeres Blatt wäre, das einfach nur richtig trainiert werden müsste, damit er seine Aufgaben gut erledigt.

Somit ist schon davon auszugehen, dass die Genetik einen großen Einfluss auf das Jagdverhalten des Hundes hat.

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Was beeinflusst das Jagdverhalten?

Umso erstaunlicher ist es, dass im Internet doch vieles „herumgeistert“, was angeblich das Jagdverhalten fördert. Hier ein paar Beispiele:

  • die Rohfütterung
  • das Spiel mit: Quietschespielzeug, Echtfellspielzeug & Co.
  • Wurfspiele, Fangspiele
  • Hetzspiele von Hunden untereinander
  • den Hund in den ersten 1-3 Lebensjahren freilaufen zu lassen

Fazit ist dann, dass man diese Dinge tunlichst vermeiden sollte.

Woher kommt dieses Wissen? Glaubt wirklich jemand, dass ein Quietschespielzeug sich wie ein sterbendes Rehkitz anhört – und woher soll der Hund das eigentlich wissen, bevor nicht ein Kitz reingebissen hat? Erst recht ein Hund, der genetisch gar nicht das Packen und Töten mitbringt? Fakt ist, das NIEMAND weiß, was Jagdverhalten definitiv beeinflusst.

Menschen mit viel Erfahrung in diesem Bereich, vermuten Zusammenhänge.

So scheint z.B. eine Frühförderung des Welpen durch Spurensuche zumindest dessen Effizienz bei der Jagd zu steigern. Auch wird natürlich die Reiz-Reaktions-Kette, also dass der Hund impulsiv auf schnelle Bewegungsreize reagiert, dadurch gefördert, wenn ich mich täglich eine halbe Stunde auf eine Wiese stelle und die Ballschleuder betätige. Umgekehrt gibt es aber auch genug Hunde, die sich dadurch nur noch für ihren Ball interessieren und das Wild links liegen lassen – das Jagdverhalten wurde also kanalisiert. 

Kann Jagdverhalten auch erlernt sein?

Ja, absolut. Ich spreche dann allerdings von dem so genanntem Pseudojagdverhalten. Das tritt z.B. auf, wenn der Hund ein zu hohes Erregungsniveau hat, wenn er Stress mit Elementen aus der Jagdverhaltenskette kompensiert, also eine Art Übersprungsverhalten und vieles mehr. Ausführliche Infos dazu bekommt ihr in meiner Podcastfolge zum Thema Pseudojagdverhalten.

Gibt es Rassen ohne Jagdtrieb?

Das ist eine Frage, die mir als Antijagdtraining-Expertin häufig gestellt wird. Im Prinzip wurde sie oben schon beantwortet: Hunde, die aktiv nach Wild und dessen Fährten suchen und Hunde, die hetzen, machen ihren Besitzern am meisten Kummer. 

Somit ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass ich beim Kauf eines Jagdhundes auch mit dessen typischem Jagdverhalten konfrontiert werde – egal ob ich nach der Methode „xy“ trainiere und mir ganz viel Mühe gebe, die Entstehung des Jagdverhaltens zu verhindern. 

Man unterscheidet zwischen Jagdhundrassen, die VOR dem Schuss arbeiten, also quasi dafür genutzt werden, Wild zu suchen und aufzuscheuchen. Dazu zählen z.B. die Bracken und Laufhunde wie Beagle, die Dackel, manche auf Jagd selektierte Terrier wie z.B. der Deutsche Jagdterrier, aber auch manch eine Jack Russel Terrier Linie, Vorstehhunde, Windhunde, teilweise die Spaniel und viele mehr. Hier ist noch zu unterscheiden, ob sie nah beim Jäger arbeiten wie die Spaniel, was den Hund wiederum für den Nicht-Jäger besser händelbar macht oder eher selbstständig arbeiten. 

Die anderen sind die, die nach dem Schuss arbeiten. Das sind vor allem die Retriever, manche Spaniel und mit Einschränkung deutsche Vorstehhunde. Diese lassen sich oft auch gut durch den Hundehalter mit Dummytraining und Nasenarbeit ersatz-befriedigen.

Viele Hundehalter wissen nicht, dass Hüteverhalten letztendlich Jagdverhalten ist. Das Hüten entspricht dem Hetzen – und je nach Einsatz des Hütehundes gibt es auch leichte Tendenzen zum Packen, um z.B. Rinder in Bewegung zu versetzen. Somit sind die Hütehunde auch weit verbreitete Gäste auf meinen Antijagd-Seminaren.

Aber auch der eine oder andere Gebrauchshund wie z.B. der Hovawart, lässt sich blicken. Denn immerhin ist das züchterisch geförderte Interesse für Spielbeute nichts anderes als Jagdverhalten.

Auch die Herdenschutzhunde, die je nach Einsatz sich in ihren Ursprungsländern tagelang selbst ernähren müssen, sind dem Jagen nicht abgeneigt.

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Ihr findet in meinem Podcast einige Folgen zu den einzelnen Rassegruppen.

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Longiertraining

Kann man den Jagdinstinkt des Hundes abtrainieren bzw. unterbinden?

Nein! Es geht bei so einem Training immer darum, das Jagdverhalten zu kontrollieren, also den Hund so gut zu trainieren, dass er sich stoppen oder abrufen lässt.

Hier gibt es zwei „Trainings-Lager“ – die einen probieren es über Strafen und die anderen über positive Verstärkung.

Strafen wirken nur dann, wenn der Hund so eingeschüchtert wird und sich bedroht fühlt, dass das den Jagdinstinkt übertönt. Das sind dann meist Starkzwangmittel, wie Stromreizgeräte – die in Deutschland definitiv verboten sind! Ansonsten lernt der Hund oft nur, so lange nicht zu jagen, solange sein Besitzer Einfluss auf ihn hat, also z.B. in Wurfweite von Disk-Scheiben, Wurfketten und Co..

Der Einsatz von Sprühhalsbändern ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Für einen geräuschempfindlichen Hund kann der Einsatz ggf. traumatisierender sein als ein Stromhalsband. Andere Hunde wiederum beeindruckt das Gesprühe nur einmalig und dann haben sie einen doppelten Belohnungseffekt: sie sind um eine Strafe drumherum gekommen und haben Spaß am Jagen. 

Hinzu kommt noch, dass sich jeder ethisch Gedanken darum machen muss, ob es ok ist, einen Hund, der das Jagen genetisch mitbringt, dafür zu bestrafen – nur weil man selbst als Besitzer dem Hund nicht das bieten kann, wofür er ursprünglich gezüchtet wurde.

Es ist also auch aus dieser Sicht sinnvoll, eher zu versuchen, das jagdliche Interesse des Hundes zu kanalisieren, also umzulenken auf adäquate Ersatzbeschäftigung aus dem Bereich Nasenarbeit und Apportieren und Bewegung – wie z.B. das Longiertraining für Hunde.

Außerdem steht natürlich die gute Erziehung des Vierbeiners bzw. das Training im Vordergrund – und die funktioniert über das Training mit Belohnungen sehr zuverlässig!

So ein Antijagdtraining gliedert sich in folgende Bereiche

Beschäftigung

• Beschäftigung (rassengerecht, physisch als auch geistig im richtigen Maß) = der Hund ist im Anschluss an die Beschäftigung entspannt und ihm fallen die anderen Schwerpunkte leichter umzusetzen – Ideen z.B. in meiner DVD Nasenarbeit für Hunde der im Buch Spiele & Action für Jagdhunde

Belohnungspotential

• Belohnungspotential ausschöpfen = der Hund wird nicht nur mit Futter oder Spielzeug belohnt, sondern auch mit möglichst vielem, was die Umwelt zu bieten hat

Orientierung am Menschen

• Orientierung am Menschen (Aufmerksamkeitstraining) = ca. alle 50 Schritte Blickkontakt zum Menschen aufnehmen ohne Aufforderung

Impulskontrolle

• stabiles Erregungsniveau (Entspannung und Impulskontrolle) = der Rasse entsprechend sich entspannt durch die Natur zu bewegen und nur bei sehr starken Reizen (z.B. direkt vor dem Hund kreuzendes Reh) sich kurzfristig laut aufregen und nach wenigen Minuten wieder abgeregt haben

Radius-Training

• Spaziergänge mit der langen Leine/Schleppleine und Radius-Training = um das Ziel zu erreichen, das der Hund sich in annehmbarer Distanz zum Menschen und auf dem Weg aufhält, die Leine wird nur benötigt, um bei Wildkontakt den Hund an der Selbstbelohnung zu hindern, ansonsten hängt sie locker durch oder schleift in Trittnähe. Zum Thema Schleppleine finden Sie ein Beratungsvideo und auch ein Video, wie diese Leinen aufgewickelt werden

Wild anzeigen

• Wild anzeigen = beim Orten von Wild durch Geräusch, Geruch oder Optik ruhiges Stehen bleiben mit Körperspannung und Fixierung in die entsprechende Richtung; ggf. auch danach freiwilliger Blickkontakt zum Menschen

Gehorsam

• Gehorsam: der Hund lässt sich zu ca. 95 % durch Sitz/Platz/Steh stoppen bzw. zum Menschen hin zuverlässig abrufen, wenn er Wild wahrnimmt 

Hetzangel

• Häufig wird der Begriff Reizangel benutzt, wenn eigentlich die Hetzangel gemeint ist. An der Hetzangel wird der Hund bewusst in jagdliche Erregung gebracht, um dann den Gehorsam in Form von Stoppen oder Rückruf üben zu können. Mit der Reizangel übt man hingegen mit jungen Vorstehhunden das Anzeigen von Wild.

Hetzangeltraining mit dem Hund - so geht es richtig! von Pia Gröning

Jahreszeiten & Jagdverhalten

Zeigt der Hund je nach Jahreszeit verändertes Jagdverhalten? Ja! Und in dieser Podcastfolge erfährst du mehr dazu und woran es liegt.

Ideen, um Übungssituationen am Wild nachzustellen

  • Hasenzugmaschine (Fell oder Stofftier an unsichtbarer Schnur durch eine Maschine bewegt (ferngesteuert oder Hilfsperson)
  • Wackelhase (aus Lockjagd, Hasenattrappe auf Stab, der batteriebetrieben wackelt)
  • Pendelsau (Fell & Kopf eines Wildschweins, zwischen 2 Bäume gespannt und mit einem Seil durch Hilfsperson in Bewegung gehalten)
  • Running Rabbit (Felldummy an langem, gespannten Gummiseil, das losgelassen wird)
  • ferngesteuertes Auto mit Fellüberzug
  • batteriebetriebener Ball mit Fellschwanz dran (Kinderspielzeug)
  • batteriebetriebenes Kinderspielzeug in Form von Fuchs/Hase/, das sich durch Bewegungssensor beginnt um sich selber zu drehen
  • Tiergehege
  • Stofftier in Echttier-Optik (evtl. mit Geruch durch Deponierung im Tierstall oder künstliche Duftstoffe)
  • Tierattrappen (Kunststoffkrähen, Bilder, ausgestopfte Tiere, …)
  • Felldummy von versteckter Hilfsperson an Schnur über den Weg gezogen
  • leerer Transportkorb für Kleintiere (je nach Lernerfahrung des Hundes)
  • evtl. Luftballon oder Papiertüte an Busch befestigt (Bewegungsreiz)
  • künstliche Duftspuren
  • Stofftier (evtl. mit Geruch durch Deponierung im Tierstall oder künstliche Duftstoffe) Tierkot
  • Eingänge von Tierbauten
  • verlassene Schlafplätze
  • Tierkot
  • leerer, zuvor benutzter Transportkorb für Kleintiere
  • Stock/Stein ins Gebüsch werfen, um ein Rascheln zu erzeugen
  • App mit Tierstimmen oder Youtubevideos
  • aufklappbare Kinderbücher & Ähnliches
  • Locker (z.B. Entenlocker oder Hasenklage aus Jagdbedarf, zu bedienen wie eine Hundepfeiffe)
  • selbst Aufgenommenes via Diktierfunktion oder Sprachnachricht beim Smartphone
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Die nächsten Termine zum Thema Jagdverhalten

29. Juli 2019

  Datum und Uhrzeit Veranstaltung
29.07.2019 - 02.08.2019
10:00 - 18:00
ANTIJAGDTRAINING SEMINAR-WOCHE - mit Pia Gröning
Seminarreisen Frei Schnauze, Manderscheid

3. August 2019

  Datum und Uhrzeit Veranstaltung
Individualtraining 03.08.2019
Ganztägig
INDIVIDUALTRAINING (z.B. Antijagdtraining) - mit Pia Gröning
Pfotenakademie Ruhrgebiet, Marl

4. August 2019

  Datum und Uhrzeit Veranstaltung
Individualtraining 04.08.2019
Ganztägig
INDIVIDUALTRAINING (z.B. Antijagdtraining) - mit Pia Gröning
Pfotenakademie Ruhrgebiet, Marl

18. August 2019

  Datum und Uhrzeit Veranstaltung
Individualtraining 18.08.2019
Ganztägig
INDIVIDUALTRAINING (z.B. Antijagdtraining) - mit Pia Gröning
Pfotenakademie Ruhrgebiet, Marl

21. September 2019

  Datum und Uhrzeit Veranstaltung
21.09.2019 - 22.09.2019
10:00 - 17:00
ANTIJAGDTRAINING - Orientierung am Mensch & Entspannung mit Pia Gröning
Hundeseminare-Spessart, Rothenbuch Bayern

23. September 2019

  Datum und Uhrzeit Veranstaltung
23.09.2019 - 26.09.2019
9:30 - 17:00
ZUSATZMODUL JAGDVERHALTEN 2 (neues Konzept!) - mit Anke Lehne & Pia Gröning
Standort Süd, Sulzbach-Laufen

30. November 2019

  Datum und Uhrzeit Veranstaltung
30.11.2019 - 01.12.2019
10:00 - 17:00
ANTIJAGDTRAINING (kompakt) - mit Pia Gröning
Pfotenakademie Ruhrgebiet, Marl

29. Mai 2020

  Datum und Uhrzeit Veranstaltung
29.05.2020 - 03.06.2020
10:00 - 16:30
ANTIJAGDTRAINING SEMINAR-WOCHE - mit Pia Gröning
Pfotenakademie Ruhrgebiet, Marl

Ihre Möglichkeiten mit Pia Gröning zu trainieren

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Antijagdtraining Buch

Was für Übungen dazu gehören und wie diese aufgebaut werden, finden Sie im entsprechenden Buch: Antijagdtraining, wie man Hunde vom Jagen abhält.

Wöchentliche Antijagdkurse

Außerdem können Sie sich natürlich gerne live von mir trainieren lassen in Form eines Individualtrainings, von Wochenendseminaren und Seminarwochen und hier bei uns vor Ort auch in wöchentlichen Antijagdkursen.

Online Training

Außerdem gibt es einen Onlinekurs zum Antijagdtraining in verschiedenen Versionen. Mit persönlicher Betreuung durch Pia Gröning oder im Eigenstudium auf Tiertraining.TV.

Antijagdtraining FAQ

Häufig gestellte Fragen und Antworten zum Antijagdtraining finden Sie hier.