Stand Up Paddling mit Hund

von Petra Balai

Beim Stand Up Paddling, kurz SUP genannt, steht man auf einem großen, länglichen Brett, das entweder aus festem Material ist (sogenannte Hardboards aus Carbon, Holz oder verschiedenen Kunststoffen) oder bei dem es sich um ein ISUP (Inflatable SUP) handelt, also ein aufblasbares Board aus einem Material, das mit einer LKW-Plane verglichen werden kann und recht unempfindlich ist.

Mit einem Paddel, das abwechselnd links und rechts verwendet wird, kann man dann gemütlich oder zügig Seen, Flüsse, oder das Meer befahren. Am besten voran kommt man natürlich im Stehen, doch wer einen kleineren oder größeren Passagier an Bord hat, kann genauso gut zeitweilig oder ganz im Knien oder Sitzen paddeln: SUP mit Hund sollte kein Wettbewerb sein, sondern ein gemeinsames Freizeitvergnügen, das beiden gleichermaßen Spaß macht.

SUP ist eine sogenannte Trendsportart. Das hat ganz einfache Gründe: Anders als bei anderen Wassersportarten, wie z.B. dem Surfen, kann sich auch ein Laie in kurzer Zeit und ohne einen Kurs zu absolvieren auf dem Board zurechtfinden und Spaß haben – was nicht bedeutet, dass gute Kurse zum Einstieg nicht empfehlenswert sind. Schon für 10 bis 15 € die Stunde kann man an vielen Badeseen spontan ein Board mieten und es selbst ausprobieren. SUP ist geeignet für Alt und Jung, für sportliche und für weniger sportliche Menschen, für den Gelegenheitspaddler ebenso wie für den ambitionierten Wassersportler.

Wie kommt der Hund aufs Board?

Wer Hunde hat, wird immer versuchen, diese auch in seine Freizeitgestaltung miteinzubeziehen. Hunde, die Freude am SUP haben, vergrößern einfach noch einmal den Spaßfaktor am gemeinsamen Erkunden von Seen und anderen Gewässern. Ältere oder physisch leicht eingeschränkte Hunde, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, können so noch auf gemeinsame Touren in der Natur mitgenommen werden. Die Aktivierung der Tiefenmuskulatur durch das ständige Ausgleichen der sanften Wasserbewegungen kann sogar physiotherapeutischen Nutzen haben (vgl. hierzu aber unten „Weitere Sicherheitshinweise für Vierbeiner“).

Gerade Hunde, die das Wasser lieben, können beim SUP ausdauernde und begeisterte Begleiter sein, wenn man einige Regeln beachtet. Die wichtigste, eigentlich selbstverständliche Regel ist, dass man einen Hund nie aufs Board zwingen sollte. Manche Hunde begreifen rasch, dass sie einfach nur die Balance halten müssen und sind gleich begeistert, für andere Hunde empfiehlt es sich, einen Kurs zu absolvieren oder sie selbst behutsam ans Board zu gewöhnen.

In einem guten SUP mit Hund Kurs wird immer die Gewöhnung ans Board zunächst auf dem Land erfolgen: Stressfrei kann man hier den Hund ans kontrollierte Auf- und Absteigen gewöhnen, so dass der Hund nicht an der Kante abrutscht und sich dabei verletzt, indem er sich z.B. etwas zerrt.

Ich bevorzuge das Auf- und Absteigen über die Nose, also die Spitze des Boards, so dass der Hund trockenen Fußes aufs Board kommt. Auch das Laufen und Wenden auf dem Board sollte geübt werden. Der Hund sollte ebenfalls mit dem Paddel vertraut gemacht werden, das ja immer wieder über den Hund von einer Seite auf die andere gehoben wird. Ist der Hund sicher im Auf- und Absteigen an Land, kann man erste Versuche im Wasser starten. Dabei kann eine Hilfsperson das Board am Ufer zunächst stabilisieren, damit sich der Hund allmählich an das Schaukeln und Schwanken durch das Wasser gewöhnen kann.

Erst wenn der Hund sichtlich entspannt aufs Board geht und bleibt, sollte man die erste gemeinsame Fahrt wagen, vielleicht sogar mit einer Hilfsperson: Eine Person, die paddelt, während die andere den Hund belohnt und schaut, wie er mit der Bewegung zurechtkommt.

Es mag Hunde geben, die die genannten Schritte im Schnelldurchlauf absolvieren und sich sofort wohlfühlen. Bei anderen Hunden lohnt es sich aber, dieses Training systematisch zu gestalten. Durch ein negatives „da-muss-er-durch“-Erlebnis kann man einem Hund nämlich den Spaß am SUP auch für immer verderben, daher ist eine durchdachte Annäherung von Hund und Board sinnvoll.

Ausrüstung

Boards gibt es in vielen Variationen schon günstig stundenweise zu leihen, was ideal für den Einsteig ist. Allerdings geben bei Weitem nicht alle Verleiher ihre Boards auch an Menschen mit Hunden ab, obwohl ein Hund mit gepflegten Krallen auf einem Board keine Kratzer hinterlassen, geschweige denn es beschädigen könnte. Hier lohnt es sich vorher beim Verleih anzurufen und sich einen SUP Spot zu suchen, der auch an Menschen mit Hunden verleiht und geeignete Boards zur Verfügung stellt. Das ideale Board für SUP mit Hund sollte (für den Anfänger) so breit wie möglich sein und auch ausreichend Gewicht tragen können, insbesondere wenn man mit einer Hilfsperson trainiert. Hier empfehlen sich z.B. Yoga-Boards ab 85 cm Breite. Neben der Breite des Boards ist noch die Steifigkeit entscheidend: 15 cm Höhe garantieren mehr Stabilität als dünnere Boards, doch nur wenn das Board korrekt aufgepumpt wurde. Biegt es sich auch nur ansatzweise durch, macht das Paddeln kaum noch Spaß, man kämpft nicht nur um die eigene Balance, sondern das Fahrgefühl wird auch gemindert. Die Oberfläche sollte soweit wie möglich mit einem rutschfesten Pad belegt sein, damit der Hund einen guten Halt hat. Alternativ kann man auch Badematten aus rutschfestem Material aufs Board legen.

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Es empfiehlt sich, dem Hund eine gute Schwimmweste anzulegen, auch oder insbesondere für den ersten Versuch auf dem Board. Zum einen kann die Weste als Signal dienen („Jetzt geht es aufs Board!“), ähnlich wie man beim Trailen ein spezielles Geschirr nutzt. Zum anderen lässt sich der Hund über den Haltegriff an der Schwimmweste mit einem Griff sichern und stabilisieren, wenn es aufs Board geht. Sollte der Hund doch einmal ins Wasser fallen oder springen, kann man den Hund leichter wieder aufs Board hieven – je nach Hund kommen da zwei bis drei zusätzliche Kilos dazu, wenn das Fell nass wird. Wer für den ersten Versuch nicht zu viel Geld investieren möchte, kann sich vielleicht von Bekannten eine Weste leihen, in Kursen werden diese Westen oft gestellt. Wer öfter aufs Board möchte, sollte sich eine gute Hundeschwimmweste zulegen, die nicht nur der Optik dient, sondern haltbar und qualitativ hochwertig ist. Viele Firmen bieten immer wieder ihre Westen günstiger in Aktionen an oder man sucht mit etwas Geduld übers Internet gebrauchte Schwimmwesten.

Mein Tipp für den Menschen (neben entsprechender Kleidung und eventuell Wechselkleidung und Handtüchern) sind Badeschuhe! Diese gibt es schon ab 5 € zu kaufen und sie schützen die Füße gegen spitze Steine und andere spitze Gegenstände im Sand.

 

Zur Sicherheit für den Menschen empfiehlt es sich, immer mit einer Leash zu paddeln, einer Art Leine, die Board und Mensch miteinander verbindet. Auf dem Wasser ist das Board die Lebensversicherung, aber eben nur, wenn es nicht von der Strömung weggetragen wird und man vielleicht nicht schwimmend hinterherkommt. In der Regel wird die Leash am Fuß befestigt (außer in stark fließenden Gewässern!) und stört überhaupt nicht. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann sich ein Restube besorgen, eine Art Sicherheitsboje, die an einem Gürtel um den Bauch getragen werden kann und mit einer kleinen CO2 Patrone aufgeblasen wird, wohingegen schlechte Schwimmer ohne Rettungsweste überhaupt nicht aufs Wasser sollten.

Wer SUP als dauerhaftes Hobby ausüben möchte, dem sei hier ans Herz gelegt, sich selbst mit weiteren Sicherheitsvorkehrungen vertraut zu machen, die nicht ausführlich in dieser kurzen Einführung erörtert werden können! In jedem Wassersport kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen und man sollte auch SUP mit der entsprechenden Vernunft betreiben. SUP ist absolut kein gefährlicher Sport, aber wenn man gewisse Dinge nicht berücksichtigt, ist es lebensgefährlich.

Weitere Sicherheitshinweise für Vierbeiner

Speziell auf unsere Vierbeiner bezogen sollte man noch berücksichtigen, dass eine längere SUP Tour in der Mittagssonne keine gute Idee ist. Wenn der Hund ungeschützt in der prallen Sonne auf dem Board liegt, kann er genauso einen Hitzschlag erleiden, als würde man ihn an Land in der Sonne festbinden. Empfehlenswert sind dagegen Touren am Morgen oder gegen Abend, vielleicht kann man sogar gemeinsam in den Sonnenuntergang paddeln und die Ruhe am See genießen. Im Sommer kann es dennoch nie schaden, bei längeren Touren Wasser für den Hund mit an Board zu haben: Manche Hunde trinken mühelos vom Board aus, andere tun sich damit schwer und nicht jedes Gewässer besitzt eine gute Wasserqualität. Das Trinken von Salzwasser muss man selbstverständlich unterbinden.

Auch Blaualgen sind eine oft unbekannte Gefahr, an der jedes Jahr Hunde versterben. Es handelt sich dabei eigentlich um Bakterien, genauer Cyanobakterien, die sich bei Temperaturen über 30 Grad in Seen explosionsartig vermehren können und besonders gefährlich für Kinder und Hunde sind. Über das Belecken ihrer Pfoten oder Trinken vom Board aus können Hunde auch beim SUP die gebildeten Toxine aufnehmen und erkranken. Für die meisten Gewässer gibt es aber Websites, die ihre Gäste über eine entsprechende Gefährdung informieren.

Weniger dramatisch, aber nicht weniger wichtig, ist es, darauf zu achten, den Hund nicht zu überfordern. Eingangs habe ich erwähnt, dass SUP auch für ältere oder körperlich eingeschränkte Hunde geeignet ist. Doch sollte man dabei berücksichtigen, dass auch unsere Hunde von neuartigen Bewegungsmustern Muskelkater kriegen oder schlichtweg ermüden. Die meisten Menschen werden das nach den ersten SUP-Versuchen bestätigen können, unseren Hunden ergeht es da nicht anders. Wer seinen Hund ans Fahrradfahren gewöhnt, fängt auch nicht mit einer Tagestour an, sondern gibt dem Hund Gelegenheit, die entsprechende Muskulatur und Kondition zu entwickeln. Man unterschätzt die körperliche Belastung für den Hund beim SUP sehr leicht, da er scheinbar „nichts machen“ muss. Die ständige gehaltene Balance beansprucht dennoch die Muskulatur und die Verweildauer auf dem Board sollte immer dem Alter und der Fitness des Hundes angepasst sein.

Ein eigenes Board?

Wen das SUP-Fieber gepackt hat, der wird schnell mit dem Gedanken an ein eigenes Board spielen, zumal man für SUP mit Hund eben vielleicht nicht immer einen Verleih in der Nähe hat. Die Markenvielfalt ist für den Anfänger recht unübersichtlich und es herrscht eine gewisse Markentreue, d.h. für viele engagierte SUP-Sportler gibt es nur „ihre“ Marke. Nach oben hin sind finanziell kaum Grenzen gesetzt, Hardboards sind dabei deutlich teurer als ISUPs.

Selbst bei den Paddeln rangieren die Preise von 20 € bis 500 €, so dass vor allem der eigene Geldbeutel vorgeben dürfte, wie viel Qualität man sich gönnen kann. Inzwischen bieten sogar einige Discounter ISUPs als Bundle (d.h. Board, Leash, Paddel, Rucksack und Handpumpe) für unter 250 Euro an. Hier lohnt es sich aber, Testberichte zu lesen oder Testvideos auf YouTube anzuschauen. Schon alleine aus Gründen der Nachhaltigkeit sollte es nicht das Ziel sein, sich ein möglichst billiges Board für eine Saison zu kaufen, sondern ein möglichst langlebiges Board, an dem man mehrere Jahre Freude hat.

Faktoren, die man speziell für SUP mit Hund berücksichtigen sollte, sind die Steifigkeit (Höhe und Psi-Zahl des Boards), die mögliche Gewichtsbelastung (ein Board, das bei 100 kg sinkt, neigt schon bei einer geringeren Belastung zur Bananenform) und die Größe, bzw. der Wendekreis des Hundes, d.h. der Hund sollte sich zumindest bequem auf dem Board umdrehen können.  Die günstigere Alternative zu einem Billigboard kann es sein, im Verleih verschiedene Boards auszuprobieren, bis man sein „Traumboard“ findet und lieber darauf zu sparen oder auf eine Preissenkung gegen Ende der Saison zu warten.

Manche Verleihstationen geben Ende der Saison auch ihre Verleihboards günstig ab, hier sollte man aber schon frühzeitig anfragen. Eine Markenempfehlung möchte ich ausdrücklich nicht aussprechen, jedes Board hat Vor- und Nachteile und die Wahl muss zum individuellen SUP-Sportler passen. Wer beispielsweise schon jahrelange Surferfahrung mitbringt, wird weniger Wert auf ein breites, kippstabiles Board legen, sondern sich für ein sportlicheres Board entscheiden.

Zum Schluss

Mein eigener Einstieg ins SUP mit Hund erfolgte über einen Einführungskurs mit meinem Papillon, der aufgrund seiner Herzerkrankung keinen anderen Hundesport mehr machen kann. Wir beide waren gleich Feuer und Flamme, aber nicht alle meine Hunde teilen diese Begeisterung: An Board „muss“ bzw. darf natürlich nur, wer möchte. Ich hoffe, diese kurze Einführung zum Stand Up Paddeln mit Hund hat viele von euch neugierig gemacht, dies selbst einmal auszuprobieren und ich hoffe, dass die hier gegebenen Tipps für alle Neulinge auf dem Gebiet hilfreich waren.

Einige Themen wie generelle Sicherheitsmaßnahmen beim SUP oder nützliches Zubehör konnten hier nur angeschnitten werden. Andere Themen, z.B. rücksichtsvolles Verhalten in der Natur oder Befahrungsregeln, würden hier den Rahmen sprengen.  Ich wünsche euch eine tolle Zeit mit euren Hunden und allzeit sicheres, frohes Paddeln!

Petra Balai

Petra Balai, ist SUP Trainerin und leidenschaftlich gern mit Ihren Papillons auf dem Bord unterwegs.