Auslandstierschutz - ein Erfahrungsbericht

von Sonia Reisner

Wie unsere Gesellschaft sind auch die Hunde dieser Gesellschaft mittlerweile „multikulti“ – wenn man durch den Park spaziert, trifft man Griechen, Ungarn, Rumänen, Franzosen, Italiener, Bulgaren, Russen und manchmal sogar Chinesen oder Costa Ricaner. Und hier ist nicht nur von den Menschen die Rede, sondern vor allem von deren Hunden. Genauso wie man Menschenrechte nicht lokal eingrenzen kann, macht auch der Tierschutz schon lange nicht mehr an den Ländergrenzen Halt und das ist auch gut so. 

In diesem Artikel dreht sich alles um die Frage, wie man eine seriösen Tierschutzverein findet, wie ein Transport aus dem Ausland statt findet und was man allgemein zu beachten hat. 

Mein Name ist Sonia Reisner, ich bin 24 Jahre alt, lebe mit meinem Freund Lukas zusammen in Marl, NRW und gemeinsam sind wir stolze Halter von drei wunderbaren Ungarn namens Gustav, Pici und Paula. Durch die Adoption von unserem ersten Hund Gustav fingen wir an, uns ehrenamtlich in seinem vermittelnden Verein Cani F.A.I.R. e.V. zu engagieren.

Zunächst mit der Aufnahme und Vermittlung von Pflegehunden, dann zusätzlich als Vermittler der Hunde in Ungarn und mittlerweile als Vorstandsmitglieder. Aufgrund der Erfahrung mit unseren Hunden, etlichen Pflegehunden und da wir bereits viele Male vor Ort in Ungarn waren, die Transport-Fahrten der Hunde selber machen und im Auslands-Tierschutz vernetzt sind, schreibe ich diesen Artikel, um weitere Menschen auf die Thematik aufmerksam zu machen.

Ich möchte einen Hund adoptieren
- wie finde ich einen seriösen Verein?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass man jedem Hund, den man adoptiert, hilft. Man muss nicht unbedingt aus dem Ausland adoptieren, um einem Hund ein besseres Leben zu ermöglichen. Es gibt natürlich auch Hunde in deutschen Tierheimen, wobei man auch dort auf die Seriosität achten sollte, und auch jede Menge private Abgaben, bei denen man sogar auf die Rasse wert legen kann. Hierbei helfen rassespezifische Portale wie z.B. Labradore in Not. 

Wenn man sich nun auf die Suche nach einem tierischen Familienmitglied machen möchte, empfehlen sich folgende Seiten, die als seriöse Plattform zur Hundevermittlung dienen (sowohl In- als auch Auslandstierschutz): z.B. shelta von Tasso, tiervermittlung.de, edogs.de oder auch Seiten, die sich speziell auf Hunde mit einem Handicap spezialisiert haben wie z.B, hunde-notfelle.de oder rassenspezifische Datenbanken.

Natürlich haben auch die meisten Vereine eine Vereins-Homepage, auf der man alle Hunde dieses Vereins sehen kann. Auf Facebook gibt es auch etliche Tierschutz-Seiten, auf denen Hunde von den Vereinen eingestellt und geteilt werden. Wenn man nun über einen bestimmten Hund auf einen Verein stößt, sollte man zunächst überprüfen, ob dieser als gemeinnützig anerkannt ist und eine Genehmigung nach §11 des Tierschutzgesetztes vorliegt.

Wenn der Verein im Ausland tätig ist, ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal eines seriösen Tierschutzvereins, dass vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird. Die reine Adoption eines Hundes hilft zwar diesem Hund (saving one dog will not change the world, but for this one dog the world will change forever) und auch einem anderen Hund, der nun den Platz im Tierheim einnehmen darf und dadurch auch Chancen auf eine Familie bekommt, aber langfristig kann sich die Situation im Ausland nur ändern, wenn die Tierheime, die die Vereine unterstützen, die Hunde auch vor Ort seriös vermitteln, Kastrations-Projekte durchführen, usw.. Auf diese Thematik geht der Artikel von Gerrit Stephan detailliert ein. 

Nun geht es an die erste Kontaktaufnahme, die entweder per Mail oder telefonisch erfolgt. Hierbei ist auch ein bisschen Geduld und Verständnis gefragt, wenn der Vermittler den Anruf nicht sofort entgegen nimmt oder auf eine Mail erst nach ein paar Stunden antwortet. Alle Vermittler sind ehrenamtlich tätig und oftmals selber Vollzeit berufstätig mit eigenen Hunden Zuhause und insgesamt ist es für einen gemeinnützigen Verein, der keine Gehälter zahlt, sehr schwierig, ausreichend gute und engagierte Vermittler zu finden.

Wenn Ihr Euch etwas mit Hunden etwas auskennen, gerne Kontakt zu anderen Menschen haben, durchschnittlich begabt am PC sind und bereit seid, Eure Zeit für den Tierschutz zu spenden, könnte die Vermittlungs-Arbeit etwas für Euch sein.

Meldet Euch hierfür einfach bei den Vereinen und „bewerbt“ Euch. Manche Vereine haben dafür dann ein kleines Bewerbungsformular anhand dessen dann festgestellt wird, welche Aufgabe zu Euch passen würde und ob Ihr ins Team passen könntet.

Natürlich sind Vereine über jede Hilfe dankbar, aber da man eine große Summe seiner Zeit in diesem Tierschutz-Team ehrenamtlich arbeitet, muss es bei so einer zeitintensiven Aufgabe auch menschlich passen. Daher sollte man hier nicht vorschnell urteilen, wenn manche Vereine nicht jeden Vermittler aufnehmen können.

Damit man sich etwas unter der Vermittlungs-Arbeit vorstellen kann, hier einige Aufgabenfelder eines Vermittlers:

  • Einstellen von Hunden auf die Vereins-Homepage und ggf. auf Social Media und weiteren Portalen
    (Shelta von Tasso, tiervermittlung.de, edogs)
  • Email- und Telefon-Kontakt mit Interessenten
  • Versenden von Dokumenten
    (Interessenten-Fragebogen, Vorkontroll-Bogen, Schutzvertrag, Anreise-Infos, etc.)
  • Organisation von Vor- und Nachkontrollen
    (mit Hilfe vereinsinterner Netzwerke oder Facebook-Gruppen)
  • Aufklärung der Interessenten über Reise-Krankheiten, Eingewöhnung der Hunde, etc.
  • Ansprechpartner für Adoptanten und Pflegestellen: auch NACH der Vermittlung
  • Arbeit im Team 
  • uvm.

Wenn Ihr Euch nun mit dem Vermittler in Verbindung gesetzt habt und der Wunsch nach der Adoption real wird, sollte der Vermittler Euch einige Fragen stellen dürfen. Viele Vereine nutzen dafür einen Interessenten-Fragebogen, auch Selbstauskunftbogen genannt. Folgende Fragen sollten Ihnen gestellt werden:

  • wie Sie wohnen
  • welche Personen im Haushalt leben
  • ob Tierhaltung erlaubt ist
  • wie lange das Tier alleine bleiben muss
  • ob Sie Erfahrung mit Hunden oder der Rasse haben
  • ob Sie finanziell ein Tier unterhalten können, auch wenn es mal teuer wird
  • ob Sie bereit sind, eine Hundeschule zu besuchen

Man hört manchmal, dass man bei einer Adoption eines Hundes mehr Fragen beantworten muss als wenn man eine Wohnung mieten möchte. Bitte habt Verständnis dafür, dass ein Verein keinen Hund vermitteln kann, wenn dieser diese Infos über Euch nicht bekommt.

Es geht um ein lebendes Tier, welches im besten Fall etliche Jahre bis an sein Lebensende bei Euch verbringen soll und daher muss unbedingt sichergestellt werden, dass Hund und Mensch gut zusammen passen. Man erkennt einen seriösen Tierschutzverein daran, dass er diese Fragen stellt und auch kritische Rückfragen stellt oder ggf. sogar einen anderen Hund vorschlägt, der besser zu Euch passen könnte. 

Wunsch & Wirklichkeit

Es sollte außerdem möglich sein, dass der Vermittler Fragen zu Eurem Wunschhund an das Tierheim im Ausland weiterleiten kann. Die Pfleger kennen manche Hunde gut und können erste Eindrücke vermitteln.

Hierbei sollte einem allerdings klar sein, dass es nur Momentaufnahmen in einer stressigen Tierheim-Umgebung sind. Die Eindrücke können sich sowohl ins positive als auch ins negative verändern, wenn der Hund erstmal in seinem neuen Zuhause angekommen ist und sich wohl fühlt.

Welche Auskünfte aber gegeben werden können sind oftmals: Gesundheitszustand, Verträglichkeit, Ängstlichkeit, Verhalten gegenüber Menschen, Temperament des Hundes.

Bitte habt Verständnis dafür, dass Euch keine Auskunft über die Stubenreinheit, das Verhalten beim Auto-Fahren oder beim Alleine-bleiben gegeben werden kann. Die Hunde leben in Zwingern oder in der Rudelhaltung draußen und es ist unmöglich, solche Dinge zu prognostizieren. Stellt Euch hier immer darauf ein, dass ein Hund das alles noch nicht kann und lasst Euch lieber positiv überraschen.

Von manchen Hunden ist bekannt, dass sie bereits mal eine Familie im Ausland hatten. Daher kann es bei diesen Hunden natürlich sein, dass sie manche Haus-Regeln schon mal kennengelernt haben. Aber auch das ist keine Garantie, da in Ungarn z.B. viele Hunde ausschließlich im Garten gehalten werden und somit das Leben im Haus trotzdem nicht kennen.

Der Vermittler sollte im weiteren Verlauf auf jeden Fall ein persönliches Kennenlernen in Form einer sogenannten Vorkontrolle (VK) bei Euch Zuhause vorschlagen. Dabei wird geschaut, ob Ihr dem Tier einen entsprechenden Lebensraum zur Verfügung stellen können und weitere eventuelle Fragen werden geklärt.

Hierbei geht es keinesfalls darum, Euch zu kontrollieren oder Eure Wohnung kritisch zu begutachten, sondern vor allem darum, Euch als Person kennenzulernen. Bögen und Telefonate sagen nie das über eine Person aus, was sie wirklich ist und daher ist ein persönliches Kennenlernen unabdingbar. Insgesamt kann hier auch festgehalten werden: Person geht immer vor Wohnumfeld.

Ein Hund kann auch in einer kleinen Wohnung ohne Garten artgerecht gehalten werden, wenn der Mensch bereit ist, viele Aktivitäten zu unternehmen und seinen Hund entsprechend auszulasten. Wenn ein Verein keine Kontrolle bei Euch macht, lasst unbedingt die Finger davon.

In Einzelfällen kann auf eine Vorkontrolle verzichtet werden, wenn der Interessent z.B. Verwandte hat, die bereits einen Hund des Vereins adoptiert haben und im intensiven Kontakt zum Verein stehen oder wenn Sie bereits ein Tier aus einem deutschen Tierheim oder von einem anderen Tierschutzverein adoptiert haben und da bereits eine Vorkontrolle stattgefunden hat.

In diesem Fall besteht die Möglichkeit, dass der neue Verein mit Eurer Einverständnis die Unterlagen von diesem Besuch bei dem anderen Verein einsehen kann oder mit der Person, die Sie damals kennengelernt hat, sprechen kann.

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille

Ein weiterer wichtiger Punkt, an dem man die Seriosität eines Vereins erkennen kann, ist, ob und inwiefern man über die Reisekrankheiten der Hunde informiert wird. Manche Vereine haben dafür z.B. Info-Dokumente zum Durchlesen auf ihrer Homepage.

Unsere Vermittler besuchen beispielsweise jährlich eine Fortbildung bei Herrn Dr. Naucke von Parasitus EX e.V., dem führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet, um auf dem neusten Stand zu sein und bestens informiert den Interessenten gegenüberzutreten. Wichtig ist, dass Vermittler nicht versuchen, eine Krankheit „klein“ zu reden – grade mit Leishmaniose, die sich immer weiter ausbreitet, ist nicht zu spaßen und man sollte sich darüber gut informieren.

Wenn eine Krankheit diagnostiziert wird, sollte bestenfalls bereits im Ausland mit der Behandlung begonnen werden und Euch sollten alle relevanten Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt ist es aber sinnvoll, sich vor dem Wunsch einer Adoption sich den länderspezifischen Erkrankungen vertraut zu machen (Empfehlung: Parasitus Ex e.V.), damit man ggf. auch kritische Rückfragen stellen kann.

Ein seriöser Verein macht nach Reservierung des Hundes einen Bluttest mit dem Hund, der Euch dann auch zur Verfügung gestellt wird. Hierbei sollte man auch ein bisschen Verständnis und Geduld haben, da die Blutproben oft in Labore geschickt werden müssen und diese eine gewisse Bearbeitungszeit haben. Daher kann es schon mal vorkommen, dass man, je nachdem wie kurz vor der nächsten Transportfahrt man den Hund reserviert hat, die Ergebnisse erst kurz vorher bekommt.

Gerade medizinische Infos können oft etwas dauern, da die Tierheim-Tierärzte nicht regelmäßig vor Ort sind und nur sie bestimmte Infos haben bzw. geben können. Es kann auch schon mal vorkommen, dass ein Hund mal eine Behandlung (z.B. gebrochenes Bein) hatte und das erst im Nachhinein festgestellt wird. Bitte macht hierfür nicht den Tierschutzverein verantwortlich, da dieser auch auf die Zusammenarbeit mit seinen Partnern im Ausland angewiesen ist und gerade unerfahrene, neue Tierheime oder Auffangsstationen noch nicht so viel Erfahrung mit Archivierung von Unterlagen, etc. haben.

Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille und man sollte da nicht vorschnell urteilen, dass ein Verein einem einen Hund „aufdrängen“ wollte. Ein seriöser Verein, der die Vermittlung ernst nimmt und kritisch fragt und alle oben genannte Punkte beachtet, hat niemals das Interesse, Ihnen eine Adoption aufzuzwingen. Natürlich haben Sie auch die Möglichkeit, einen Hund aufgrund einer Krankheit nicht aufzunehmen.

Man sollte dabei aber bedenken, dass dem Verein bereits hohe Kosten durch die Tests und die Reisevorbereitungen entstanden sind und dass der Hund letztendlich für seine Krankheit nichts kann und vielleicht genau auf Ihre Hilfe wartet. Außerdem kann ein Hund immer erkranken und darauf sollte man sich bei der Anschaffung eines Hundes immer einstellen. Trotzdem gibt es immer mal Lebensumstände, die eine Adoption eines bereits erkrankten Hundes nicht möglich machen. Dafür haben die Vereine auch Verständnis, wenn Sie das vernünftig darlegen und ggf. kann ein anderer Hund für Sie gefunden werden.

Wenn dann alles stimmt, steht einer Vermittlung nichts mehr im Wege.

Es sollte ein Schutzvertrag mit Euch geschlossen werden, der unbedingt eine Klausel enthalten sollte, dass im Falle einer Rückgabe eines Tieres, immer der vermittelnde Verein angesprochen werden muss und dieser wird dann einen Pflegeplatz oder ein neues Zuhause suchen. Es ist keinesfalls so, dass importierte Tiere, deutsche Tierheime belasten sollen und der Verein sollte seine Verantwortung für das Leben eines jeden Tieres sehr ernst nehmen.

Hier sollte einem aber bewusst sein, dass der Verein nicht in der Lage ist, innerhalb weniger Tage eine Pflegestelle oder ein neues Zuhause für den Hund zu finden. Daher solltet Ihr vor der Aufnahme eines Hundes wissen, dass auch ein Hund, der Sie ggf. überfordert oder nicht in Eure Familie passt und eine Rückgabe unumgänglich ist, nach der Entscheidung noch eine gewisse Zeit bei Euch sein wird. Am besten ist es für den Hund, wenn er so lange noch bei Ihnen als Pflegehund bleiben darf, bis man eine neue Familie gefunden hat. 

Neben dem Schutzvertrag, der unbedingt vor der Ankunft des Tieres geschlossen werden sollte, wird die Schutzgebühr fällig. Die meisten Schutzgebühren bewegen sich je nach Verein zwischen 300-400€. Außerdem sind vereinsabhängig unterschiedliche Dinge in der Schutzgebühr enthalten. Bei Canifair e.V. z.B.:

  • Kastration,
  • Chip,
  • Impfungen,
  • Entwurmung,
  • Spot-Ons gegen Parasiten,
  • Großes Blutbild,
  • Test auf länderspezifische Reisekrankheiten (hier Ungarn),
  • Giardien-Test und ggf. auch erste Behandlung bei positivem Test,
  • Erste medizinische Versorgung bei positivem Test oder Erkrankungen, die noch in Ungarn stattfindet (die weitere Behandlung wird dann vom Adoptanten getragen),
  • Transportkosten,
  • Papiere (EU-Heimtierausweis und Impfausweis),
  • Sicherheitsgeschirr

Man kann sich also vorstellen, dass die Schutzgebühren für die Vereine meistens nicht mal kostendeckend sind und daher ist es nicht angebracht, über die Höhe der Schutzgebühr zu diskutieren. Selbst wenn ein paar Euro übrig bleiben, könnt Ihr Euch bei einem gemeinnützigen Verein sicher sein, dass dieses Geld dem nächsten Hunde-Notfall zu Gute kommen wird.

Bitte habt auch Verständnis dafür, dass die Schutzgebühr bei fest adoptieren Hunden vor der Anreise zu entrichten ist, da der Verein für alle Kosten in Vorleistung gehen muss und diese Beträge nicht stemmen könnte, wenn die Schutzgebühren nicht pünktlich eingehen würden. In der Schutzgebühr im jeden Fall enthalten sein sollten aber als Minimal-Voraussetzung: Kastration, Chip, Impfungen, Entwurmung, Spot-Ons gegen Parasiten und EU-Heimtierausweis.

Ein weiterer wichtiger Punkt, die Seriosität eines Vereins zu erkennen, ist auch, dass der Verein für die reisenden Hunde im Ausland bezahlen. Das heißt, dass sie dem Tierheim einen Geldbetrag zusätzlich zur Übernahme der medizinischen Kosten pro Hund zukommen lassen.

Und nun?
Jetzt heißt es warten bis der nächste Transport statt findet und der Hund zu Ihnen reisen kann. 

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Ich habe einen Hund adoptiert oder nehme ihn als Pflegestelle auf - wie kommt der Hund nun zu mir?
Wie läuft ein Transport ab?

Mit Eurem Hund werden nun im Ausland die nötigen Reisevorbereitungen getroffen: falls noch nicht passiert, wird er kastriert, die nötigen Impfungen werden aufgefrischt, kurz vor der Ausreise wird frisch entwurmt und Spot-On gegeben. Der Transport ist von Verein zu Verein unterschiedlich:

  • Deutsche Transportunternehmen, die auf den Transport von Hunden spezialisiert sind (z.B. Trans-Canis),
  • Ausländische Transportunternehmen des Herkunftslandes,
  • Privat Personen mit ihrem Privat-Pkw,
  • Tierheim-Mitarbeiter, die die Hunde bis zur Grenzen bringen,
  • Vereinseigener Transporter mit ehrenamtlichen Fahrern.

Da ich selber nur an Transporten unseres Vereins teilgenommen habe und gerne einen kleinen Einblick liefern würde, berichte ich folgend, wie der Transport bei uns statt findet: 

Wir besitzen einen vereinseigenen 3,5 Tonnen Transporter von Iveco, der mit Hundeboxen ausgestattet und vom Veterinäramt genehmigt und abgenommen wurde. Dieser wird vor der Fahrt nach Ungarn mit gesammelten Sachspenden beladen und dann macht sich das Fahrer-Team, welches aus 2-3 Fahrern besteht, auf die Reise nach Ungarn. Alle unsere Fahrer verfügen eine Transport-Erlaubnis nach §11 des Tierschutzgesetzes, welche sie auf einem Lehrgang mit Abschluss-Test erworben haben.

Die Fahrt dauert vom Ruhrgebiet als Startpunkt aus circa 15 Stunden ohne Stau und Grenzkontrollen. Die Fahrer wechseln sich gegenseitig ab und machen die Fahrt in einem Stück. Meistens sind die Fahrten so organisiert, dass die Fahrer ein paar Tage im Tierheim Zeit haben, um neue Hunde zu fotografieren und kennenzulernen, spazieren zu gehen, zu bürsten und natürlich auch, um mit dem (ungarischen) Team vor Ort Zeit zu verbringen. Uns ist dieser persönliche Kontakt sehr wichtig, da sich die Zusammenarbeit dadurch enorm verbessert und die Vermittler, die als Fahrer oft dabei sind, die Möglichkeit haben, „ihre“ Vermittlungshunde persönlich kennenzulernen.

Die Rückfahrt startet je nach Fahrer-Team und Wetterlage entweder Samstags nachts oder Sonntags morgens. In den Sommermonaten setzen wir bevorzugt Nachtfahrten ein, da es in der Kühle der Nacht angenehmer ist für die Hunde im Laderaum des Transporters. Unser Transporter hat selbstverständlich auch im Hundebereich eine Klimaanlage, Licht und eine Be- und Entlüftungsanlage. Vor der Abfahrt findet das von uns sogenannte „Boarding“ statt.

Jede Transportbox im Transporter wird mit Handtüchern und Decken ausgestattet, die vorab ausgedruckten Steckbriefe der reisenden Hunde werden an die Boxen gehangen und darauf wird darauf geachtet, dass je nach Körpergröße die passende Box gewählt wird. Danach wird es richtig spannend: die Fahrer und die ungarischen Team Mitglieder versammeln sich vorne im Büro und nach und nach wird jeder reisende Hund einzeln aus dem Zwinger geholt und ins Büro gebracht. Dort angekommen wird zunächst der Chip ausgelesen und mit dem Heimtierausweis des Hundes verglichen.

Im Zuge dessen kontrollieren sowohl die Fahrer als auch die Tierheim-Ärztin nochmal, ob alle relevanten Impfungen vorliegen, ob die Wurmkur frisch ist und ob alle Spot-Ons gegeben wurden. Die Reisefähigkeit des Hundes wurde ebenfalls im Pass durch einen zuständigen Tierarzt dokumentiert, welche auch noch mal gegen gelesen wird. Nun wird dem Hund das passende Sicherheitsgeschirr angelegt, welches er schon während der Reise trägt, um eine sichere Übergabe zu garantieren. Nun wird der Hund noch einmal zum Pipi machen ausgeführt und nimmt dann seinen Platz in der Transportbox ein. Sein Pass und Impfausweis werden zusammen mit dem Steckbrief an der jeweiligen Box befestigt, um Grenzkontrollen zu vereinfachen und sicherzustellen, dass bei den Übergaben, die Dokumente nicht vergessen werden. Das alles wiederholt sich so lange, bis alle Hunde an Bord sind. Danach erhalten die Fahrer die Traces-Unterlagen, die man für den Tiertransport benötigt und die vorab von dem Amtstierarzt vor Ort ausgestellt wurden, und die Kopien aller EU-Heimtierausweise. Und nun geht es los: die Schiebetür wird geschlossen und los geht die Fahrt mit der wertvollen Fracht. 

Ein Transport ist für die Hunde natürlich eine stressige Ausnahmesituation. Die Erfahrung zeigt aber, dass die meisten Hunde ruhig in ihrer Box schlafen und keine Panik bekommen. Die lange Fahrt ist nicht optimal für die Hunde, aber ein nötiges Übel. Das Fahrer-Team hat nicht die Möglichkeit, zwischendurch anzuhalten und die Hunde Gassi zu führen. Das wäre erstens viel zu gefährlich und zweitens rein logistisch nicht möglich, da 2-3 Fahrer für i.d.R. 10-25 Hunde zuständig sind. Während der etlichen Tankpausen auf dem Weg wird den Hunden immer frisches Wasser gegeben und auch Futter gereicht, was sie i.d.R. aber immer verweigern.

Das passiert natürlich alles bei geschlossener Transporter-Tür, damit beim Öffnen der Boxen kein Hund nach draußen entwischen kann. Während der Fahrt werden die Adoptanten und Pflegestellen durch einen Telefondienst immer auf dem Laufenden gehalten, wo sich der Transporter aktuell befindet. Grundsätzlich sollte man sich aber den ganzen Tag freihalten, da es immer zu Verzögerungen kommen kann, z.B. durch Grenzkontrollen, Staus oder schlechten Wetterverhältnissen.

Die Übergaben der Hunde an die neuen Familien gestaltet jeder Verein anders. Manche haben einen einzigen Übergabeort, andere viele unterschiedliche entlang der Fahrtroute. Oft hört man, dass man von Vereinen Abstand nehmen sollte, die die Tiere entlang der Autobahnen übergeben. Ich spreche da aus Erfahrung, wenn ich sage, dass das nicht der Fall ist! Es gibt Vereine, die nicht nur lokal, sondern in ganz Deutschland vermitteln und deren Adoptanten sich somit nicht an einem einzigen Ort treffen können, da die Anreisezeiten viel zu lang wären.

Somit sind sie auf mehrere Übergabeorte angewiesen. Da eine Fahrt ohne Zwischenstopps schon mindestens 15 Stunden je nach Zielort dauert, würde jede weite Abfahrt von der Autobahn zu einem anderen Gelände für die übrigen Hunde eine große Verlängerung der Fahrtzeit bedeuten und auch irgendwann für das Fahrer-Team, das die ganze Zeit hochkonzentriert sein muss, unmöglich werden.

Wenn Ihr also einen Verein wählen, der entlang der Autobahn-Route übergibt, achtet darauf, WIE der Verein das tut. Unsere Hunde werden nur mit Sicherheitsgeschirr übergeben und mit mehreren Leinen befestigt. Die Hunde werden nur bei geschlossener Transporter-Tür aus den Boxen geholt, die Sicherheitsgeschirre werden noch mal festgegurtet und die Leinen werden bereits angelegt. So wird der Hund dann dem neuen Besitzer übergeben und wir achten darauf, dass dieser den Hund ohne Umwege zum Auto bringt und begleiten ihn, um Hilfe zu leisten.

Ängstliche Hunde werden ausschließlich in ihren Transportboxen übergeben und somit vom Transporter direkt in den Pkw des Abholers gestellt. Wenn Ihr einen Verein wählen, der an Autobahnen übergibt, aber keine Sicherheitsgeschirre für die Hunde hat, bringt unbedingt selber ein Sicherheitsgeschirr mit und besteht darauf, dass es dem Hund noch im geschlossenen Transporter angelegt wird. Bringen Sie ggf. verschiedene Größen mit, da das Tierheim vorher nicht die Zeit hat, den Hund für Sie ausgiebig zu vermessen.

Alternativ könnt Ihr auch einfach fragen, ob man Euch die Box mitgeben kann und Ihr diese dann zurück schicken. Eine letzte Möglichkeit wäre, eine eigene Transportbox mitzubringen und das Tier im geschlossenen Transporter in diese umzuladen. Oftmals gibt es wie bei uns einen letzten Übergabe-Punkt, der nicht entlang der Autobahn ist. Wenn es Euch sicherer ist, könnt Ihr auch zu diesem Punkt fahren und den Hund dort entgegen nehmen.

Hierbei sollte man aber auch stets die zusätzliche Zeit im Kopf haben, die der Hund dann noch im Pkw verbringen muss. Das schöne an dem letzten Übergabe-Ort bei uns ist, dass sich dort meistens viele Adoptanten zur Abholung treffen und man gemeinsam auf das Eintreffen des Transporters hoffen kann. Bei uns ist auch immer mindestens ein Vorstands-Mitglied anwesend und viele Team-Mitglieder, die dann bei dem Empfang helfen können.

Für die Hunde ist das natürlich sehr stressig von so vielen Menschen begrüßt zu werden und daher bitten wir die Leute immer, sich zurückzuhalten und nur die Adoptanten zum Hund zu lassen. Es ist aber jedes Mal wieder schön, die erwartungsvollen Gesichter der Menschen zu sehen, die Freudentränen, wenn der Hund aus dem Transporter aussteigt und das freudige „Oh“ der anderen Anwesenden zu hören, die den Hund nun oft das erste Mal in Live sehen und ihn sonst nur von Fotos und Videos kannten. Viele Adoptanten berichten im Nachhinein, dass ihnen die Abholung noch Jahre lang im Kopf bleibt und sie immer freudestrahlend daran zurück denken. 

Bei der Übergabe erhalten die Adoptanten und Pflegestellen die Dokumente des Hundes (EU-Heimtierausweis und Impfausweis) und ggf. Medikamente oder Vitamine, die der Tierarzt mitgegeben hat. 

Wir überprüfen auch, ob die Adoptanten die Hunde in ihrem Auto nach der Übergabe vernünftig sichern. Es empfiehlt sich entweder eine Transportbox oder aber den Hund mit der Leine über den Rücksitz festzuhalten, wenn er im Kofferraum mitfährt, damit eine Hilfsperson, den Hund von drinnen festhalten kann, wenn der andere die Kofferraumklappe öffnet.

Dabei sollte man vorher auch immer überprüfen, ob die Leine noch vollständig ist oder vielleicht durchgeknabbert wurde. Ansonsten kann man den Hund auch gesichert auf der Rücksitzbank mit einer Hilfsperson mitfahren lassen und ihn an der Leine festhalten, bevor man die Autotür zum Aussteigen öffnet. Hierbei sollte man nur beachten, dass das mit einem ängstlichen Hund nicht geht, da dieser den engen Menschenkontakt nicht schätzen wird. Gehen Sie bei einem ängstlichen Hund lieber auf Nummer sicher, übernehmen sie ihn in der Box und öffnen sie die Box erst im geschlossenen Haus.

Mein neues Familienmitglied ist angekommen - was nun?

Die Eingewöhnung eines Hundes ist sowohl wunderschön als auch manchmal herausfordernd. Es gibt jede Menge Dinge, auf die man achten sollte. Das wohl wichtigste, was jeder Tierschutzverein betonen sollte: die Sicherung durch (Schlepp-)Leine und Sicherheitsgeschirr.

Es empfiehlt sich am Anfang, die Hunde sogar im gesicherten Garten nur mit Schleppleine und beaufsichtigt laufen zu lassen, da es doch immer mal wieder Schlupflöcher gibt, die man vorher nicht hat sehen können. Auf Spaziergängen sollte man das Sicherheitsgeschirr mehrere Wochen nutzen, bevor man zu einem normalen Burstgeschirr wechseln kann. Auch die Leine und Schleppleine sollte solange Einsatz finden, bis der Hund eine Bindung aufgebaut hat, man viele Situationen bereits mit dem Hund erlebt hat und weiß, wie er reagiert und bis ein Rückruf unter mittlerer Ablenkung funktioniert.

Viel zu oft bekommen wir Vermittler Bilder von frisch angereisten Hunden, die bereits nach nur drei Tagen bei ihrer neuen Familie nur mit Halsband an im Wald frei laufen. So etwas ist leichtsinnig und verantwortungslos. Natürlich möchte man einem Hund, der grade frisch das Leben in Freiheit kennenlernt, auch die Möglichkeit zu rennen bieten, aber dafür gibt es Meter lange Schleppleinen und gesicherte Hundefreilaufgebiete.

Viele Hundeschulen stellen auf Nachfrage auch sicherlich gerne mal ihren Platz zur Verfügung für kleine Trainingseinheiten, bevor man in den Hundeschul-Kurs mit seinem neuen Hund starten kann. 

Für ängstliche Hunde empfiehlt sich eine doppelte Sicherung mit zwei Leinen an Sicherheitsgeschirr und Halsband. Eine Leine kann man zusätzlich noch an seinem eigenen Körper anbringen. GPS-Geräte, die man sich z.B. als Adoptant unseres Vereins für die erste Zeit leihen kann, runden die Sicherheit perfekt ab. 

An dieser Stelle wird nur das Thema Sicherheit besprochen, aber es gibt noch viele weitere Dinge, die man für eine optimale Eingewöhnung des Hundes beachten kann. Mit diesem Thema hat sich Pia Gröning ausführlich beschäftigt und ihr Buch „Der Tierschutzhund“ ist dafür sehr zu empfehlen. 

Ein abschließender Ratschlag darf aber nicht fehlen: denkt immer daran, dass der Hund ein Familienmitglied ist, welches grade alles kennenlernt und entdeckt. Seid nicht streng mit Eurem Hund, habt keine großen Erwartungen an ihn und helft ihm, sein neues Leben zu organisieren. Der Hund kann sich seine Familie nicht aussuchen und möchte das auch gar nicht: er hat nur Euch und ist auf Eure Hilfe, Verständnis und Geduld angewiesen!

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Check-Liste

Kurze Check-Liste zur Überprüfung der Seriosität von Tierschutzvereinen

  • Paragraph 11 Genehmigung und Gemeinnützigkeit
  • Kompetenter Vermittler
  • Schutzvertrag mit Rückgabe-Klausel
  • Schutzgebühr zwischen 300-400€
  • EU-Heimtierausweis, Kastration, Impfung, Entwurmung, Spot-On
  • Vor- und Nachkontrollen